Fine Art Music: »Wir singen die Musik, die wir lieben!«

Die Festhalle des PZN platzte beim Konzert des grandiosen Chors aus allen Nähten – Die musikalische Reise begann in den Sechzigern

Von Petra Nikolic

RNZ-100331---Wir-singen-die-Musik,-die-wir-lieben_tn300Wiesloch. »Musik spricht die Leidenschaft, die Liebe und die Sehnsucht an.« Dieses Zitat von Richard Wagner beschreibt treffend die Stimmung, die am Sonntagabend bei dem umjubelten Konzert von »Fine Art Music« herrschte. Die ganze Festhalle im PZN war erfüllt von leidenschaftlicher Musik, ausgelöst durch die Performance eines grandiosen Chors, der mit diesem Konzert sein Debüt gab. Schon der Zuschauerandrang war ungewöhnlich für eine Premiere. Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn waren alle Stühle im Festsaal besetzt und noch immer strömten Besucher hinein. Eilig wurden weitere Stühle an die Reihen gestellt, doch auch diese waren schnell belegt. Zuschauer, die noch während des Konzerts kamen, blieben am Rand stehen oder setzten sich auf die Treppe, die zur Empore führt. Keiner wollte das Konzert versäumen.

Das Gesangsensemble »Fine Art Music« wurde 2008 gegründet und gehört zum Verein »Nicht Ohne Musik« in Ketsch. Der Chor besteht aus 24 Sängerinnen und Sängern aus der Region im Alter zwischen 25 und 50 Jahren. »Wir singen die Musik, die wir lieben«, erklärte Chorleiter Joe Völker zu Beginn des Konzerts. Mit Joe Völker hat sich der »Fine Art Music Chor« einen Vollblutmusiker als Lehrmeister geholt und damit genau die richtige Wahl getroffen, wie der Abend gezeigt hat.

Eigentlich wollte er Eisverkäufer oder Straßenbahnfahrer werden, bekennt der Dirigent auf seiner Homepage, doch dann hat er sich für die Musik entschieden, mit der er auch schon einige Höhepunkte verbuchen konnte. Joe Völker dirigiert die Dreigroschenoper am Mannheimer Nationaltheater und ist gleichzeitig erfolgreicher Chorleiter und Bandleader. Dass der Mannheimer Musiker auch ein geistreicher und eloquenter Entertainer ist, stellte er an diesem Abend mit seiner Moderation unter Beweis.

Die musikalische Zeitreise von »Fine Art Music« begann an diesem Konzertabend in den späten sechziger Jahren und führte bis in die Anfänge der neunziger Jahre. Dabei wurden alle Genres gestreift, die in dieser Zeit ihre Blüte hatten, von der Popmusik zum Soul, vom Jazz zu den Musical-Klassikern, aber auch von der afrikanischen Musik bis zu amerikanischen Volksweisen. Der erste Teil des Konzerts begann mit dem Klassker »Spinning Wheel« des »Blood, Sweat, & Tears«-Sängers David Clayton Thomas und endete mit einem grandiosen Medley aus dem Rock-Musical »Hair«. Zuvor warnte Joe Völker die Zuschauer noch, die Aufforderung zu freier Liebe, Sex und Drogen in den Songs nicht allzu ernst zu nehmen.

Die Queen-Hymne »The Show must go on« war das Stichwort für den zweiten Teil des Abends, der vor allem durch die vielen Soloeinlagen zu einem wunderbaren Erlebnis wurde. Hier passten die Stimmen der Solisten perfekt zu den ausgewählten Songs. Auch wenn nur bei dem Song »Weather With You« von »Crowded House« in der Moderation darauf hingewiesen wurde, dass hier eine eigene Fassung für den fünfstimmigen Chor geschrieben wurde, so war doch die Handschrift von Joe Völker in allen Songs spürbar, mal mehr und mal weniger, aber immer präsent. Sie gab jedem Stück eine besondere Note, eine neue Klangfarbe.

Die »Fine-Art-Musiker« überzeugten mit viel Können und Leidenschaft und traten mit einer Begeisterung auf, die alle Zuschauer mitriss. So gab es am Schluss viel Applaus für einen inspirierenden Abend. Selbst die jüngste Konzertbesucherin, die dreijährige Anna, die mit ihrem Bruder und ihrem Vater den Auftritt verfolgte, wippte und klatschte zwei Stunden lang begeistert mit. Das Konzert wird am Sonntag, 13. Juni, um 17 Uhr im Ferdinand-Schmitt-Haus in Ketsch wiederholt.